Werden Bücher wieder Luxus?

Ja, aber die Jugend liest Bücher und das ist gut so

Artikel von Karin Springefeld

Es war einmal,

da waren Bücher Luxusgüter und nur Adel, Klerus und Großbürgertum konnten sich Bücher leisten und private Bibliotheken aufbauen. Erschwinglich für breite Käuferschichten wurden Bücher erst im 19. Jahrhundert. Es brach die Zeit der Lexika, Almanache und Romane an.

Die Bücherwand als Statussymbol

Zur Massenware konnten Bücher erst im 20. Jahrhundert werden, denn moderne Druckverfahren machten es möglich. Der Bildungsbürger trat auf den Plan und deckte sich mit Klassikern, Romanen, Reiseführern und Nachschlagewerken ein, die in attraktiven Bücherwänden vorgezeigt wurden.

Der in Leder gebundene Brockhaus war ein Muss für gutverdienende Metzger. Der Außendienst liebte diese Zielgruppe. Für die intellektuell hochstehende und bescheidene Mittelschicht musste es vor allem viel „Buch“ sein und durfte auch als Broschur und Taschenbuch daherkommen. Das sah dann so richtig nach Studierzimmer und Bildung aus.

In unserem heutigen online-Zeitalter sahen manche schon das Ende des Buches. Weit gefehlt, denn der Absatz von E-Books stagniert auf niedrigem Niveau. Ein Buch ist ein Buch und die Liebhaber bleiben überzeugt dabei. Das wird jetzt aber schwierig, denn die Papier- und Druckkosten steigen exorbitant. Das sind zwei Industriezweige, die sehr energieintensiv sind und dementsprechend ist die Teuerungsrate.

 

Der Promi und (s)ein Thema

Verlage müssen neu kalkulieren, um zu überleben und Arbeitsplätze zu sichern. Für Neuerscheinungen werden neue Preise aufgerufen, die für viele Interessierte nicht mehr akzeptabel sind. Man verzichtet auf den Kauf. Der Absatz ist rückläufig. Besonders problematisch wird es für uns alle, denn ein breites Themenangebot wird es nicht mehr geben.

Verlage setzen mit ihren Neuerscheinungen auf vermeintlich sichere Themen, gern auf Lizenzen aus dem Ausland und auf prominente Schauspieler oder Sportler, die nun plötzlich Experten für Kinder, Küche und Gesundheit sind. Ratgeber gehen immer und die Kinderbuchabteilungen in Buchhandlungen zeigen, wo man ebenfalls noch Potential sieht.

Wer will seinen Kindern nicht eine gute Bildung und eine gute Erziehung mitgeben. Selbst verzichtet man dann schon mal auf den neuesten Roman. Nachschlagewerke sind schon lange passé, denn es gibt alles online und mit den Klassikern schmücken will sich kaum noch jemand. Man hat in der Schule davon auch wenig gehört.

Bücherwand als Statussymbol

Mein Tipp: Antiquariate

Decken Sie sich jetzt in Antiquariaten ein. So preiswert werden Sie nie wieder hochwertige und hochinteressante Bücher zu kaufen bekommen. Das Angebot ist groß, viele Antiquariate haben sich auf bestimmte Themenbereiche konzentriert und verkaufen auch über das Internet. Man muss also nicht nur im Antiquariat um die Ecke schauen.

Vor allem bei Kunst- und Fotobüchern lohnt sich das schon immer. Schade für Verlage und Autoren, wenn ihre Bücher aus der Preisbindung fallen und verramscht werden. Allerdings waren die zuerst aufgerufenen Preise auch schon fast unerschwinglich.

Luxus und Jugend liest Bücher

Die signierte Erstausgabe als Wertanlage

Andererseits wachsen wertvolle Bücher noch mit den Jahren an Wert. Sammler von signierten Erstausgaben wissen das und haben schon lange ein Geschäft daraus gemacht. Aber auch Prachtbände wie Ausgaben des Verlages „Franco Maria Ricci“ aus Mailand erzielen heute noch im Internet stolze Preise. Den Verlag gibt es nicht mehr und der Verleger starb 2020, nachdem er noch ein beeindruckendes Labyrinth, den größten Irrgarten Europas, in seinem Garten bauen ließ.

Die im Internet angebotenen Taschenbuchausgaben von FMR sind preiswert und gut, aber nicht mit den ursprünglichen Erstausgaben zu vergleichen, denn diese kosteten in der Regel mehrere hundert DM und werden nur noch bei Versteigerungen angeboten.

Der typische Käufer eines FMR-Buches legte es sich demonstrativ auf einen Tisch, gern in der Empfangshalle (so die Aussage des Verlegers) und damit waren Amerika, England und Frankreich die Länder, in denen die Bücher sich gut verkauften. Deutschland gehörte nicht dazu.

 

Die Jugend liest Bücher

Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren geben dem gedruckten Buch eine große Chance: Sie lesen und das nicht nur auf dem Handy, nein, sie lesen Bücher! Da hat sich bei #BookTok eine Gemeinde im Genre Young Adult bei TikTok zusammengefunden, die sich Buchtitel empfehlen. Auffällig unter dem Hashtag sind die Themen: Liebe, Fantasy und Mystery.

Sieht aus wie Flucht aus der Realität zu Zeiten der Romantik und hinein in die Wunschwelt. Warum nicht? Auch Erwachsene suchen in Erzählungen und Romanen Entspannung, Abwechslung und Erfahrungen, mit denen sie ihren Alltag besser gestalten können. Jedenfalls hat das gedruckte Buch eine Zukunft, auch wenn die Preise steigen. Sicher wird das einzelne Exemplar mehr wertgeschätzt und auch mal verliehen. So wie früher eben.